Green Hackathon in Rostow am Don

Hackathon – ein Marathon für Programmierer, Softwareentwickler und IT-Profis. Eingeladen vom Goethe-Institut, hat ein Studententeam der Universität Duisburg-Essen fünf Tage lang in Rostow am Don / Russland geplant, programmiert und gelayoutet. Herausgekommen ist dabei nicht nur eine App, die das Müllproblem in Rostow anpackt, sondern auch ein spannender interkultureller Austausch.

Russland will grüner werden

Nicht nur in unserer Universitätsstadt Essen steht in diesem Jahr die Natur und der Umweltschutz als Grüne Hauptstadt Europas 2017 im Mittelpunkt, auch Russlands Präsident Putin hat 2017 zum Jahr der Ökologie erklärt. Die russische Regierung hat versprochen umgerechnet ca. 3,5 Milliarden Euro für Umweltprojekte zur Verfügung zu stellen: Neue Naturschutzgebiete sollen entstehen und ökologisch arbeitende Unternehmen gefördert werden.

Im Rahmen dessen standen auch die Deutschen Tage Rostow, die jedes Jahr vom Sprachlernzentrum des Goethe Instituts und dem DAAD organisiert werden, unter dem Thema “Grüne Deutsche Tage”. Gemeinsam mit drei Studierenden der Studiengänge “Angewandte Kognitions- und Medienwissenschaften” sowie der “Angewandten Informatik” reisten wir vom 19.04.2017 bis 23.04.2017  nach Rostow am Don, um unsere Erfahrung im Programmieren und Medienmanagement beim durch die deutsche Botschaft Moskau geförderten Green Hackathon unter Beweis zu stellen.

Coden für das Klima

Inspiriert durch Impulsvorträge von Umweltaktivisten, Programmierern, Medienprofis und Start-Up Unternehmern – fanden sich unter den circa 20 Teilnehmern schnell zwei motivierte deutsch-russische Teams zusammen, um die gewonnen Ideen schnellstmöglich in die Tat umzusetzen. Es folgten fünf Tage kreatives Chaos, lange Programmiernächte und ein intensiver Austausch mit den internationalen Mentoren und Studierenden. Während sich das erste Team dem Thema Umweltbildung und ziviles Engagement widmete, entwickelte das Team um die UDE Studierenden eine App rund um die Müllproblematik, die insbesondere die russische Jugend sehr beschäftigt.

IT-Nerds und Umweltprofis als Berater

Immer an der Seite der Studierenden stand während des gesamten Hackathons Ruben, Babaev, Programmierer und Start-Up-Unternehmer aus Rostow. Mit seiner Webseite Birja Kuhon – was so viel wie die Küchen-Auktion bedeutet – bringt er Küchenplaner und Kunden zusammen. Die Unternehmen können den Nutzern der App Kostenvoranschläge und Planungskonzepte unterbreiten. So fällt der lästige Gang von Küchencenter zu Küchencenter weg und der Wettbewerb wird angekurbelt. Für Babaev, der schon selber an zahlreichen Hackathons teilgenommen hat, ist klar: “Aus meiner Sicht widmen sich die besten Hackathons einem klaren Thema, genau wie der Green Hackathon Rostow. Es gibt viele Stellen wo die IT Branche einhaken kann, um das ökologische Bewusstsein in Russland zu stärken.”

Violetta Ryabko, Pressesprecherin von Greenpeace Russland, coachte die Studierenden in allen Fragen zu Umweltschutz und Ökoaktivismus. Welche Themen bewegen Russland zurzeit? Wie erlangt man die Aufmerksamkeit von Unternehmen und der Bevölkerung? Für Ryabko bietet das Internet viele neue Möglichkeiten für den Umweltaktivismus: “Online-Angebote sind ein sehr wichtiges Tool. Die Leute können ihre Meinung sagen und die Situation in ihrer Stadt verbessern. Zum Beispiel haben bisher über 200.000 Menschen unsere Greenpeace Petition zur Mülltrennung unterstützt, das hat vieles ins Rollen gebracht. Recycling ist ein Thema das für Russland von besonderer Wichtigkeit ist. Es gibt bei uns sehr viele Mülldeponien, die zusammengenommen so groß sind wie die Schweiz!”

Ecofriend – Recycling Motivation durch Gamification

Am Sonntag, den 23.4., war es dann soweit: Die Studierenden aus Duisburg, Berlin und Rostow präsentierten vor der Jury aus IT-Profis, Vertretern des Goethe Instituts, des DAAD und Unternehmen aus Rostow ihre Ergebnisse.

Die Duisburger Studierenden stellten ihre App Ecofriend vor. Das Ziel der App ist es der Müllproblematik in Russland entgegenzuwirken. Sie bringt dem Nutzer mit Hilfe von Gamification-Elementen das Thema Recycling spielerisch näher. Das Hauptaugenmerk von Ecofriend liegt auf der Erfüllung von Quests, durch die der Nutzer Punkte und Coupons sammeln kann. Nutzungsanreize sind nicht nur das Gefühl, etwas für die Umwelt zu tun, sondern auch Gutscheine lokaler Unternehmen sowie ein Punkte-Score, durch den man seinen ökologischen Fußabdruck mit dem seiner Freunde vergleichen kann.

Um ein Quest zu lösen, holt der Nutzer die zu recycelnden Materialien bei dem Unternehmen ab, das die Aufgabe eingestellt hat und bringt sie zur Müllannahmestelle. Um den Gutschein und die Punkte zu erhalten, muss er vor Ort seinen personalisierten QR Code vorzeigen, erst dann werden Gutschein und Punkte gutgeschrieben.

Der Vorteil für teilnehmende Unternehmen besteht unter anderem durch ein grünes Branding. Jedes Partnerunternehmen erhält einen Aufkleber mit dem er seine Teilnahme am Ecofriend-Projekt signalisiert. Zum anderen wird dafür gesorgt, dass potentielle Neukunden auf das eigene Unternehmen aufmerksam werden und bei Erfüllung der Quests gegebenenfalls z. B. länger im Café verweilen.

Realisation: Ecofriend wird umgesetzt

Die Idee begeisterte die Jury so sehr, dass Ecofriend nicht nur ein Konzept bleiben soll, sondern mit Hilfe der Heinrich Böll Stiftung und dem Impact Hub Moscow umgesetzt wird. Zurzeit arbeitet das Sprachlernzentrum des Goethe Instituts Rostow auf Hochtouren, um die professionellen Programmierer, die Studierenden aus Rostow und Duisburg, sowie die Heinrich Böll Stiftung zusammenzubringen. Vielleicht wird die App Ecofriend schon zu Beginn der Deutschen Tage Rostow 2018 in den App-Stores verfügbar sein – wir sind gespannt.

Anna-Katharina Jung

Anna-Katharina Jung

Research Associate bei Universität Duisburg-Essen
In der Forschung befasse ich mich mit der Verbreitung und Erkennung von Fake News in Sozialen Netzwerken.
Anna-Katharina Jung

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