Was für ein Hype: Digitaler Arbeitsplatz als Herausforderung für Mitarbeiter

“Nichts ist so stetig wie die Veränderung.” – unter diesem Motto befindet sich zunehmend auch der Arbeitsplatz in Unternehmen. “Digital Natives” wachsen heran und bringen starke Veränderungen mit, denen eine Firma sich stellen muss. Diese “Natives” gehen spielerisch mit neuen Werkzeugen um, wo manch Anderer Probleme hat oder schlicht keinen Bedarf sieht. Um diesen scherenartig differenzierten Verhaltensweisen auf den Grund zu gehen, haben wir Personen zwischen 40 und 50 in einem deutschen Großunternehmen befragt und wollten wissen, wie die Akzeptanz und Erwartung der Befragten gegenüber diesen digitalen Tools (wie etwa ein Instant-Messaging Programm) ist. Die Ergebnisse waren so einfach wie erstaunlich: Die Verwendung von neuen Tools wird von vielen gar nicht als notwendig gesehen bzw. die Interviewten haben sich damit noch nicht wirklich beschäftigt weil “Man kommt ja auch mit den normalen Sachen klar.”.

Doch was sind eigentlich diese “Digitalen Tools” am Arbeitsplatz bzw. dieser “Digital Workplace”? Am einfachsten lässt sich das wohl mit der Interpretation des Worts “digital” erklären: Entweder jede Funktion oder jedes Werkzeug ist immer und überall (omnipräsent) verfügbar – oder es ist gar nichts nutzbar. Das heißt es lassen sich etwa Links auf Dateien von überall aufrufen – sei es in Hong Kong mit dem Smartphone oder im Firmennetz der deutschen Unternehmenszentrale. Weiter verhält sich das auch so mit der Nutzung der Tools: Sie werden entweder von einer großen Menge an Nutzern verwendet – oder eben gar nicht. Denn was wäre schon ein Enterprise Social Network mit 0.3% aktiven Benutzer?

Aber knüpfen wir an die Umfrage von vorhin an. Wir haben uns gefragt, wenn es doch so gut ist, dass möglichst viele Mitarbeiter gemeinsam die Tools verwenden und die Befragten aus unserer Stichprobe dies aber nicht für notwendig erachten – wie kann es den Mitarbeitern am ehesten näher gebracht werden? Hierzu hat sich aus den Kommentaren der Befragten ein Modell ergeben, welches durch ein Präsenz-Konzept gerade den “Nicht-Digital-Natives” diese neuen Tools näher bringt:

Es wurde vielfach angegeben, dass die erste Stufe “Offline Dokumentation” wichtig ist zum Nachlesen – aber das sollte nur als Backup angesehen werden. Die zweite Stufe – “Virtuelle Trainings” – sind wichtig um komprimiertes Wissen in möglichst kurzer Zeit zu bekommen und somit nicht im Arbeitsalltag gestört zu werden. Letztlich kann aber kein digitales Tool eingeführt werden, ohne für die Mitarbeiter ein Netz an persönlichen Ansprechpartnern bereitzustellen – was die letzte Stufe in der Grafik darstellt. Dies wurde von fast allen Interviewten angegeben als wichtigstes Element in der Adaption von Technologien.

Zusammenfassend ist es folglich klar, dass der Fokus darauf liegen muss den Mitarbeitern im ohnehin stressigen Arbeitsablauf einen möglichst einfachen Start mit neuen Technologien zu ermöglichen – und somit die Hemmschwelle durch “Technostress” und Veränderungen möglichst gering zu halten.

Eine ausführlichere Studie zu diesem Thema ist in der Fachzeitschrift HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik erschienen:  Stieglitz, S., Potthoff, T., and Kißmer, T. 2017. “Digital Nudging Am Arbeitsplatz,” HMD Praxis Der Wirtschaftsinformatik. (https://doi.org/10.1365/s40702-017-0367-5).

 

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