Komplexität am digitalen Arbeitsplatz am Beispiel von Skype for Business

Digitalisierungsinitiativen müssen nicht immer disruptiv sein und ganze Geschäftsmodelle in Frage stellen. Großes Potenzial liegt auch in den kleinen Verbesserungen in Kombination mit Informationstechnologie. Wir haben ein Großunternehmen bei der Einführung von Skype for Business und der Umstellung von traditioneller Telefonieinfrastruktur auf die integrierte Digitallösung begleitet. Dabei wurden Nutzungsprobleme und mögliche Digital Nudges untersucht.

Systemnutzung

Skype for Business umfasst bei dem Unternehmen gut 50.000 aktive Benutzer weltweit, was in einer Menge von etwa 7,4 Mio. Chatnachrichten und 2,7 Mio. Sprachminuten monatlich resultiert. Um die Ursachen verweigerter Nutzung zu identifizieren, wurden Analysen für einen konkreten Standort in Deutschland mit 1.700 Mitarbeitern und 1.500 potenziellen Nutzern durchgeführt und Interviews mit ausgewählten Mitarbeitern geführt.

Ergebnisse

Unter anderem wurde in den Interviews deutlich, dass die Befragten den Effekt ihrer eigenen Entscheidungen unterschätzen und – wenn überhaupt – den Nutzen neuer Tools aus einer hauptsächlich individuellen Perspektive bewerten. Gleichzeitig ärgert es manche Befragte, dass die Tools nicht so genutzt würden, wie es gedacht sei, sodass von manchen sogar eine Verpflichtung befürwortet wird.

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Referenz

Eine ausführlichere Studie zu diesem Thema ist in der Fachzeitschrift HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik erschienen:  Stieglitz, S., Potthoff, T., and Kißmer, T. 2017. “Digital Nudging Am Arbeitsplatz,” HMD Praxis Der Wirtschaftsinformatik. (https://doi.org/10.1365/s40702-017-0367-5).

Dieser Artikel behandelt das 3CO-Fokusthema Digital Nudging.

Tobias Kroll

Tobias Kroll

Research Associate bei Universität Duisburg-Essen
In der Forschung befasse ich mich mit Steuerungsmechanismen in Informationssystemen durch persuasive Elemente und Nudges. Über das Verbundprojekt DETHIS arbeite ich an der Digitalisierung des Design-Thinking-Ansatzes.
Tobias Kroll

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