Wie man durch Digital Nudging den Energieverbrauch senken kann

Der Klimawandel ist heutzutage in aller Munde. Durch das Wirtschaftswachstum und der Veränderung im Verbraucherverhalten wird der Klimawandel und die globale Erwärmung immer weiter vorangetrieben. Auch wenn Nationen weltweit bereits versuchen, den schädlichen Energieverbrauch zu senken, stieg der weltweite Energiebedarf laut Europäischer Kommission 2019 um 1,9% und war damit der schnellste jährliche Anstieg.

Damit der Energieverbrauch reduziert werden kann, muss unter anderem ein Umdenken bei Privatpersonen bezüglich ihr Verbraucherverhalten stattfinden. Es zeigt sich, dass Haushalte widersprüchliches Verhalten ausweisen: Während die meisten Verbraucher ein hohes Bewusstsein bezüglich des Sparens von Energie haben, ändert sich ihr tatsächlicher Verbrauch nicht und bleibt hoch. Daher ist es notwendig, dieses Verhalten zu beeinflussen und den Entscheidungsprozess zu unterstützen.

Der Bereich Informationssysteme und das dazu gehörende Feld Green IS haben das Potenzial, das genannte widersprüchliche Verhalten zu ändern. In der Praxis können hier beispielsweise Smart Meter in mobilen Anwendungen zum Einsatz kommen. Dabei können maßgeschneiderte Informationen in Smart Home Applikationen bereitgestellt werden, womit Verhaltensveränderungen bewirkt werden können.

Das Bereitstellen vieler Informationen allein hilft häufig im Kontext des Energiesparens nicht, um das Verhalten der Menschen zu ändern. Das kann dadurch erklärt werden, dass das Energienutzungsverhalten im Alltag eingebettet ist. Somit werden die Entscheidungen hier häufig nur oberflächlich verarbeitet und Heuristiken werden genutzt, weswegen Verzerrungen hervorgerufen werden können. Um dies zu ändern, kann das Konzept des Digital Nudging eingesetzt werden. Beim Digital Nudging wird die Architektur der digitalen Umwelt verändert, um das Verhalten der Menschen zu steuern und bestimmte Ergebnisse wahrscheinlicher zu machen. Mit der Unterstützung von Digital Nudges können zum Beispiel Smart Home Anwendungen genutzt werden, um den Verbrauchern zu helfen, ihre Energiesparziele zu erreichen und eine grünere Umgebung zu schaffen.

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Es gibt verschiedene Arten, wie ein Nudge aufgebaut werden kann. Es kann unter anderem zwischen Nudges unterschieden werden, die sich auf soziale Normen oder auf Selbstverpflichtung beziehen.

Ein Nudge kann eine soziale Norm schaffen, indem er beispielsweise aufzeigt, was die Menschen in der Umgebung der angesprochenen Person machen, um Energie zu sparen. Dies kann in einer Smart Home Applikation so aussehen, dass der Satz „57,23% ähnlicher Haushalte bevorzugen im Schlafzimmer eine Raumtemperatur von 18°C oder weniger“ aufgezeigt wird, wenn die Temperatur für das Schlafzimmer bestimmt wird. Somit kann der Nutzer sich an dieser Norm orientieren und wird dazu ermutigt, selber Energie zu sparen, um der Norm gerecht zu werden.

Des weiteren gibt es die Strategie des selbstverpflichtenden Nudge. Hierbei wird dem Nutzer die Chance gegeben, eigene Ziele zu setzen. Dabei wird der Nutzer mit seiner eigenen Einstellung konfrontiert und ein Bewusstsein über eben diese wird geschaffen. Dadurch kann sich erhofft werden, dass nach dieser Einstellung wirklich gehandelt wird, da diese präsent im Kopf ist. Der selbstverpflichtende Nudge in einer Smart Home App kann so aussehen, dass die Nutzer pro Haushaltsgerät angeben können, ob sie gerne damit Energie sparen möchten oder nicht. Dadurch werden die Nutzer mit einfachen Entscheidungen über mögliche Energieeinsparung konfrontiert und motiviert, ihre Einstellung in Frage zu stellen.

In einer Vorstudie haben wir überprüft, wie die beiden beschriebenen Nudges das Energiesparverhalten der Teilnehmer beeinflussen können. Es zeigte sich, dass vor allem die Kombination der beiden Nudges vielversprechend ist. Wir werden in der Zukunft weiter in diese Forschungsfrage investieren, um herauszufinden, wie Nudges noch effizienter gestaltet und kombiniert werden können, um Menschen dazu zu bringen, durch das Nutzen einer Smart Home Applikation Energie zu sparen.

Es lässt sich also abschließend sagen, dass Nudging ein vielversprechender Ansatz zu sein scheint, um den Energieverbrauch zu senken. Durch in Smart Home Applikationen integrierte Nudges können positive Verhaltensveränderungen erzeugt werden, die von entscheidender Bedeutung sind, um dem Klimawandel entgegen zu wirken.

Die Studie ist unter Kroll, T., Paukstadt, U., Kreidermann, K. & Mirbabaie, M. (2019). Nudging People to Save Energy in Smart Homes with Social Norms and Self-commitment. In: Proceedings of the 27th European Conference on Information Systems (ECIS), Stockholm-Uppsala, Sweden veröffentlicht worden: https://aisel.aisnet.org/ecis2019_rip/52/

Lea-Marie Braun

Wissenschaftliche Hilfskraft bei Universität Duisburg-Essen
Lea-Marie Braun

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